Presse

Protest gegen das Schweriner Lenin-Standbild am 14. Juni 2025. Foto: B. Bley/LAMV


Presseberichte zum Umgang mit Darstellungen Lenins im öffentlichen Raum

Landesbeauftragter für M-V für die Aufarbeitung der SED-Diktatur und SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag sprechen sich für kritische und konstruktive Debatte aus.


Der Landesbeauftragte Burkhard Bley zum Lenin-Standbild in Schwerin Neu Zippendorf:

 

„Lenin als Begründer der Sowjetunion hat zur Sicherung seiner durch einen Putsch errungenen Macht auf den ‚roten Terror‘ gesetzt, auf flächendeckende und rücksichtslose Gewaltmaßnahmen. Vermeintliche Feinde seien zu erschießen oder in Konzentrationslager zu sperren. Lenin ist als Befehlsgeber verantwortlich für den Tod von 280.000 Menschen, die zwischen Oktober 1917 und Februar 1922 durch Exekutionen und Niederschlagung von Aufständen ums Leben kamen. Es gibt keinen verdienstvollen und gütigen Staatenlenker Lenin, der durch Denkmäler zu ehren wäre – weder in Schwerin, noch Berlin oder Gelsenkirchen. Die Lenin-Denkmäler in der DDR sind Ausdruck des Machtanspruchs der sich als marxistisch-leninistisch verstehenden Staatspartei SED und schreiben die sowjetische Propaganda fort.

 

Eine historische Kontextualisierung von belasteten Kunstwerken im öffentlichen Raum ist zwingend, aber nicht hinreichend. Die Hinweistafel am Lenin-Denkmal in Schwerin ist historisch nicht korrekt. Sie wurde aufgrund eines politischen Kompromisses formuliert und versucht, angebliche Verdienste Lenins seinen Verbrechen gegenüberzusetzen. Durch die Tafel allein ändert sich aber noch nichts am monumentalen Erscheinungsbild der Lenin-Statue in Schwerin. Hier besteht ein Änderungsbedarf. Es muss erkennbar werden, dass und wie sich die demokratische Gesellschaft mit den künstlerischen Hinterlassenschaften einer Diktatur auseinandersetzt.

 

Die Existenz von belasteten Kunstwerken wie den Lenin-Denkmälern im öffentlichen Raum ist eine Zumutung, die aber das Potenzial bietet, einen Diskurs zu eröffnen zum Umgang mit dieser Kunst, zur Auseinandersetzung mit der Diktatur und auch um insbesondere den Opfern der Diktatur eine Stimme zu geben. 

 

Zum Lenin in Schwerin wünsche ich mir, dass die von den Betroffenenorganisationen angestoßene Debatte sowohl von der Zivilgesellschaft, als auch von der Stadtpolitik aufgenommen wird, um eine für alle Beteiligten tragfähige, aber auch finanzierbare Lösung zu erreichen. Es könnte ein Erinnerungsort entstehen, der über Lenin historisch korrekt informiert, auf die Folgen seiner Politik Bezug nimmt, der das Gedenken an die Opfer umfasst und der künstlerisch-gestalterisch die Vermittlung von Informationen mit der Überformung des bestehenden Standbilds verbindet. Schwerin könnte hier ein Zeichen setzen für einen zeitgemäßen und fachlich fundierten Umgang mit belasteter Kunst.“

 

 

Einen Beitrag der Nachrichtenagentur KNA „Denkmal, Mahnmal, Zufall – Lenin-Statuen in ganz Deutschland“ in der Evangelischen Zeitung über verbliebene Lenin-Statuen in Deutschland finden Sie hier.

Die Schweriner Volkszeitung hat den Beitrag unter dem Titel „Denkmal, Mahnmal, Zufall: Umstrittene Lenin-Statuen stehen noch in ganz Deutschland“ in der Print-Ausgabe veröffentlicht,  in der Online-Ausgabe finden Sie den Beitrag unter dem Titel „Streitfall Lenin: Sollten DDR-Denkmäler aus der Öffentlichkeit verschwinden?“ hier.

 

Die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag Evelyn Zupke stellt sich an die Seite von Betroffenen und hofft auf „eine echte Auseinandersetzung mit der Diktatur und ihren Folgen”. Einen Beitrag der Nachrichtenagentur KNA „SED-Opferbeauftragte: Lenin-Denkmäler verletzen Betroffene weiter“ in der Evangelischen Zeitung finden Sie hier.

 

Am 25. September 2025 veranstaltet der Landesbeauftragte im Campus am Turm in Schwerin eine Tagung anlässlich des Beginns der mit der sowjetischen Besatzung verbundenen Repression vor 80 Jahren und zur Frage des Umgangs mit Kunst aus der SED-Diktatur im öffentlichen Raum. Nähere Informationen dazu finden Sie hier.



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