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Arzneimittel, die Sportlerinnen und Sportlern in der DDR als „unterstützende Mittel“ verabreicht wurden. Foto: Bley/LAMV


Staatsdoping im DDR-Leistungssport: Gesundheitliche Folgen, Aufarbeitung und rechtlicher Ausgleich

Das Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht einen Artikel zu aktuellen Fragen der Aufarbeitung des DDR-Staatsdopings, Autoren sind der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Rostock Prof. Dr. Carsten Spitzer und der Landesbeauftragte Burkhard Bley


 

Zusammenfassung des Beitrags auf springer.com: 

 

Vor dem Hintergrund der Systemkonkurrenz zwischen Kommunismus und Kapitalismus wurde der Sport in der DDR politisch instrumentalisiert. Dies zeigte sich unter anderem in einem staatlich gelenkten, kontrollierten, hierarchisch organisierten und in Teilen totalitären Leistungssportsystem. Dessen zentraler Bestandteil war ein konspirativ geplantes, staatlich gesteuertes Zwangsdoping, das ab den 1970er-Jahren systematisch umgesetzt wurde und schätzungsweise bis zu 15.000 minderjährige Athletinnen und Athleten betraf. 

Leistungssteigernde Substanzen, vor allem anabolandrogene Steroide, wurden verdeckt, ohne Wissen, Aufklärung oder Einwilligung der Betroffenen verabreicht, häufig vor der Pubertät und trotz bekannter gesundheitlicher Risiken. Zu den Folgen der Dopingmittel, die Trainingsbelastungen jenseits physiologischer Grenzen ermöglichten, kamen Disziplinierung, Leistungszwang, Überwachung, Abschottung und Missbrauch durch Sportfunktionäre hinzu. Die daraus resultierenden Beeinträchtigungen der biopsychosozialen Entwicklung sind bis heute in Form schwerer gesundheitlicher Schäden nachweisbar. Neben Störungen hormoneller Regelkreise, Wachstums- und Organschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tumoren sowie degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparats stehen psychische Störungen mit einer Lebenszeitprävalenz von bis zu 98% im Vordergrund, insbesondere depressive, phobische und somatoforme Schmerzstörungen. 

Trotz der Dopingopfer-Hilfegesetze bleibt die politisch-juristische Aufarbeitung dieses durch die SED begangenen Unrechts unzureichend. Auch gesellschaftlich wird bislang zu selten anerkannt, dass die minderjährig zwangsgedopten ehemaligen Leistungssportlerinnen und -sportler in ihren Menschenrechten verletzt wurden und bis heute unter schweren körperlichen und psychosozialen Folgeschäden leiden.

 

Den vollständigen Beitrag von Prof. Dr. Carsten Spitzer und Burkhard Bley im Bundesgesundheitsblatt finden Sie hier sowie hier als Download. 

 

Bei einer Veranstaltung der Bundesstiftung Aufarbeitung zum Thema Staatsdoping in der DDR am 23. März 2026 sprach u. a. die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt Dr. Christiane Schenderlein:

 

„Das heutige Wissen um den DDR-Staatsplan 14.25 und dessen Auswirkungen auf die Sportlerinnen und Sportler, deren Erfolg sich das SED-Regime auf die Fahnen geschrieben hat, ist erschütternd. Das Schicksal dieser Athletinnen und Athleten zeigt eindringlich, wie gefährlich jede Form von Doping ist. 

Sportlicher Erfolg darf niemals die Risiken wert sein, die sich aus der Verabreichung von Dopingmitteln ergeben. Wir als Bundesregierung setzen uns deshalb für Prävention und einen entschiedenen Kampf gegen Doping ein. Wir prüfen aber auch, wie wir in Anknüpfung an die beiden bisherigen Dopingopferhilfegesetze erlittenes Unrecht lindern können.“

 

Die Pressemitteilung zur Veranstaltung der Bundesstiftung Aufarbeitung finden Sie hier

Die Veranstaltung ist als Video-Podcast abrufbar unter: https://www.youtube.com/live/otcXbE15dSI?si=k0kDobOdMEQpcUmu

 

 

Unterrichtung der SED-Opferbeauftragten an den Bundestag

Am 14. Januar 2026 hatte die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur beim Deutschen Bundestag eine Unterrichtung eingereicht mit dem Titel „Gesetzgeberischer Handlungsbedarf zur besseren Unterstützung der Opfer des systematischen Zwangsdopings in der ehemaligen DDR“, in der sie eine angemessene Unterstützung der Dopingopfer durch den Bundestag einfordert und begründet.

Eine Pressemitteilung zur Unterrichtung finden Sie hier: https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1136580

Die Unterrichtung zum Download finden Sie hier: https://dserver.bundestag.de/btd/21/035/2103500.pdf

 

Fachgespräch im Bundestag 

Am 6. November 2025 veranstaltete die SED-Opferbeauftragte ein Fachgespräch im Bundestag unter dem Titel: „Gold um jeden Preis – Das systematische Zwangsdoping in der DDR und seine Folgen für die Betroffenen“. Prof. Dr. Spitzer konnte seine Forschungsergebnisse vortragen und der Landesbeauftragte Burkhard Bley berichtete über die Beratungsarbeit und die Probleme der Betroffenen bei der gegenwärtigen Rechtslage.

Einen Bericht über das Fachgespräch finden Sie hier: https://www.bundestag.de/parlament/sed-opferbeauftragte/Termine_Besuche/beitrag-fg-doping-1121946

Eine Aufzeichnung des Fachgesprächs finden Sie hier: https://youtu.be/k3hmR-43b-U?si=eC3FYx_SFc3yNkZo.

 

 



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